Anselm von Canterbury
Namenstage: Anselm
Funktion: Heiliger, Benediktiner, Erzbischof von Canterbury, Philosoph, Kirchenlehrer
Gedenktag: 21. April
Heiligsprechung 1494
besonders verehrt in Canterbury, Aosta, Turin, Le Bec
Geboren um 1033 in Aosta (Piemont, Norditalien) als Sohn eines lombardischen Adeligen, verließ Anselm nach dem Tod der Mutter die Heimat, reiste über Burgund in die Normandie, wo er in das Benediktinerkloster Bec (bei Rouen, Nordfrankreich) eintrat und 1060 die Gelübde ablegte. Bereits drei Jahre später wurde Anselm wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit zum Prior gewählt, 1078 zum Abt erhoben und 1093 zum Erzbischof von Canterbury geweiht – als Nachfolger des bereits fünf Jahre zuvor verstorbenen Lanfranc, der einst in Bec Anselms Lehrer war. Wegen Anselms Eintreten für die kirchlichen Rechte kam es jedoch zum erbitterten Streit mit dem englischen König Wilhelm II. Rufus (= der Rote; 1087–1100), und Anselm musste das Land verlassen. Nach Wilhelms Ermordung und der Thronübernahme durch dessen Bruder Heinrich I. (bis 1135) konnte er zwar nach England zurückkehren, doch endeten die Kontroversen mit dem neuen Machthaber 1103 mit seiner erneuten Verbannung. Erst als sich König Heinrich I. und Papst Paschalis II. (1099–1118) auf einen Kompromiss einigten, wurde er 1107 aus dem Exil in Rom wieder nach Canterbury zurückgeholt, wo er am 21. April 1109 starb und im Dom seine letzte Ruhestätte fand.
1494 wurde Anselm von Papst Alexander VI. heiliggesprochen, und Papst Clemens XI. erklärte ihn 1720 zum Kirchenlehrer. Anselm hinterließ zahlreiche bedeutende philosophisch-theologische Schriften. Sein ontologischer Gottesbeweis (Schriften »Monologium«/1077 und »Proslogium«/1078) beeinflusste noch die neuere Philosophie bis zu G. F. W. Hegel (1770–1831), war jedoch schon von Thomas von Aquin (1225–74; hl.) und später von ImmanuelKant (1724–1804) widerlegt worden. Anselms Glaubensbegriff »Credo, ut intelligam« (Ich glaube, um zu erkennen) war prägend für die Entwicklung der scholastischen Theologie. Das Hauptwerk des »Vaters der Scholastik« beinhaltet eine systematische Begründung der Inkarnation und Kreuzigung Christi als Weg der Sühne für die Sünden der Welt (»Cur deus homo«/»Warum Gott Mensch wurde«).
Darstellung: als Bischof, Abt oder Mönch (häufig mit Christus- oder Marienerscheinung)
Attribute: Buch oder Schrifttafel, Schreibfeder, Stab, Schiff (Symbol der Reise)

Quelle: Herder-Verlag







