St. Cyriak Furtwangen

 

Über die erste Furtwanger Kirche gibt es keine sicheren Quellen. Allerdings lässt sich die Geschichte der Kirchengemeinde St. Cyriak bis 1179 zurückverfolgen.Die Seelsorge, der Besitz und die Rechte wurden damals dem Kloster St. Georgen bestätigt.

1733-34 fand ein Neubau der zu klein gewordenen Pfarrkirche statt. Ausgestattet mit einem barocken Hochaltar.

Im Januar 1743: Brand durch ein schweres Wintergewitter (Turm und die 4 Glocken kaputt). 1747 Fertigstellung und Weihe der neu aufgebauten Kirche

23. Juni 1857 Zerstörung der Kirche durch eine schwere Brandkatastrophe. 1859 bis 1861 kompletter Neubau im neuromanischen Stil, in Anlehnung an eine dreischiffige Basilika - mit einer Turmhöhe von 52 Metern.

Renovierung 1968 bis 1972 mit Erweiterung um eine Werktagskapelle und eine neue Sakristei. Im Zuge der liturgischen Erneuerungen infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden auch einige bedeutende Stücke (z.B. der Hochaltar) aus der Kirche entfernt und das Kircheninnere sehr schlicht gehalten.

Erst durch die letzte Renovierung 1997 wurde der Innenraum wieder zur Geltung gebracht, mit (originalgetreuer) Restaurierung und Integrierung der in der Pfarrei verbliebenen alten Bestände und neuen Kunstwerken.

2015/16 Renovierung: In dieser Zeit werden vor allem die Probleme mit der herabfallenden Farbe und der nicht effizienten Heizung behoben.

 

Cyriacus

Cyriacus, von Papst Marcellinus um 300 in Rom zum Diakon geweiht, wurde der Legende zufolge von Kaiser Maximian verurteilt, als Zwangsarbeiter beim Bau einer Thermenanlage mitzuwirken und dabei Erde zu tragen. Viele Mitchristen und Leidensgenossen wurden nach Martern getötet. Als aus Arthemia, der besessenen Tochter von Kaiser Diokletian, ein Teufel schrie, nur Cyriacus könne ihn vertreiben, wurde dieser gerufen und er heilte Arthemia. Der ausfahrende Teufel prophezeite, er werde Cyriacus zwingen, nach Babylon - dem heutigen Han-al-Mahawil im Irak - zu gehen. Bald darauf wurde Cyriacus tatsächlich vom Perserkönig Sapor gerufen, um dessen besessene Tochter == Jobia zu heilen. Cyriacus heilte auch sie und taufte sie mit ihren Eltern und viel Volks.

Cyriacus kehrte nach Rom zurück. Diokletian hatte ihm ein Haus geschenkt, aber nach dessen Abdankung im Jahr 305 ließ ihn Maximian abermals greifen, foltern, mit siedendem Pech übergießen und zusammen mit SmaragdusLargusSisinius und weiteren 18 Christen enthaupten. Ein Statthalter nahm das Haus von Cyriacus in Besitz, badete darin an der Stelle, an der Cyriacus zu taufen pflegte, und hielt ein Festmahl mit 19 Freunden, die alle zusammen eines plötzliches Todes starben. Das Bad wurde geschlossen, die Heiden fingen an, die Christen zu fürchten und in Ehren zu halten.

 
Quelle: Heiligenlexikon
 
 

Informationen zur Pfarrkirche

1861 erbaut und 1873 konsekriert
 
Die Glocken
 

Die Stadtpfarrkirche St. Cyriak in Furtwangen verfügt über ein fünfstimmiges Geläut B°-d‘-f‘-g‘-b‘, das zu den größten Geläuten der Region zählt. Alle Glocken wurden im Jahre 1952 durch den bekannten Glockengießermeister Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg gegossen.
Nach dem Krieg hatte sich in Furtwangen nur eine kleine Glocke des Vorgängergeläutes erhalten. Diese war wohl durch die Glockengießerei Grüninger in Villingen gegossen worden. Die übrigen Glocken waren zu Rüstungszwecken im zweiten Weltkrieg vernichtet worden. Der Ersatz dieses Geläutes wurde in Furtwangen schon früh nach dem Krieg ins Auge gefasst. Die neuen Glocken sollten ursprünglich wieder durch die Glockengießerei Grüninger, inzwischen aufgrund von Kriegsschäden nach Neu – Ulm umgezogen, gefertigt werden. Dies war allerdings nicht mehr möglich, da die Gießerei im Laufe des Jahres 1951 Konkurs ging.
So fiel die Wahl der Gemeinde schließlich auf den Glockengießer Friedrich Wilhelm Schilling, der als Sohn der bekannten Apoldaer Glockengießerfamilie Schilling nach dem Krieg ab 1948 in Heidelberg eine Glockengießerei begründete. Für St. Cyriak goss der Meister folgend im Jahr 1952 ein neues Geläut aus fünf Glocken in einer mittleren Glockenrippe (Die Glockenrippe beschreibt grob gesprochen das Verhältnis der Wandstärke der Glocke zum Glockenton). Die neuen Glocken besitzen ein Gesamtgewicht von über 6,8t, wobei allein auf die große Christkönig – Glocke ein Gewicht von 3450kg entfällt. Das Geläut reizt dabei die Platzverhältnisse im Glockenturm bis aufs Äußerste aus.
Wie für ein Geläut für Schilling aus dieser Zeit zu erwarten ist auch das Geläut von St. Cyriak überaus klangvoll und besticht durch eine exakte Stimmung und beeindruckende Klangfülle. Dabei ist besonders die große Glocke, ihrer Aufgabe als Festtagsglocke angemessen, ein außerordentlich mächtiges und klangvolles Instrument, welche das Ensemble auf beeindruckende Weise nach unten hin abrundet. Ein Geläut eines Domes würdig, welches man in dieser Gravität vom auf den ersten Blick vielleicht eher schmächtig anmutenden Turm von St. Cyriak wohl nicht erwarten würde!
Bei der im Jahre 2019 durchgeführten Sanierung wurden alle Glocken an neue Holzjoche gehängt und mit neuen Klöppeln und teilweise neue Läutemaschinen ausgestattet. Bei der Intonation des sanierten Geläutes wurde besonderes Augenmerk auf einen möglichst ausgeglichenen Eindruck beim Läuten aller Glocken gelegt.
 
Autor: Benedikt Grammer